Flugangst überwinden- stell dich deiner Angst

flugangst

Backpacking geht fast nicht, ohne vorher in ein Flugzeug zu steigen. Doch was ist, wenn du Flugangst hast und trotzdem in ferne Länder reisen möchtest?

In diesem Beitrag möchte ich von meiner Flugangst (in der Fachsprache Aviophobie genannt) berichten: Wie sie entstanden ist, wie ich sie "überwunden" habe und wie der Stand heute ist. Das Wort "überwunden" habe ich deshalb in Anführungszeichen gesetzt, weil ich denke, dass man sie nicht überwinden, also ganz wieder loswerden kann, sondern sie lediglich unter Kontrolle bringen kann.

Flugangst - Quantas Airbus a380

Da Flugangst sich bei jedem, der sie hat, etwas anders auswirkt und sicherlich andere Ursachen hat, möchte ich hier lediglich von meinem Standpunkt berichten. Du wirst in diesem Beitrag Tipps und Möglichkeiten finden, was du gegen deine Flugangst tun kannst. Jedoch musst du selber schauen, was letztendlich für dich der richtige und sinnvollste Weg ist.

Flugangst – wie das alles begann

Den Flug nach Australien und wieder zurück vor knapp 12 Jahren, habe ich sehr genossen. Es war mein erster Langstreckenflug und eine Art Abenteuer.
Über die Jahre hat sich dann bei mir das Unwohlsein und somit die Angst eingestellt. Nicht nur im Bereich des Fliegens, ich hatte plötzlich sämtliche Ängste entwickelt. Fliegen war für mich nur noch eine Sache um von A nach B zukommen. Sobald ich angekommen war, habe ich 3 Kreuze gemacht.
Doch richtig schlimm wurde die Angst, als im März 2015, eine Germanwings Maschine in den französischen Alpen verunglückte. Das Unertragbare  war für mich daran, dass der Co Pilot das absichtlich gemacht haben sollte?! Tage danach habe ich immer wieder gehofft, dass die Medien die Botschaft bringen, dass es sich um technisches, nicht menschliches Versagen handelte. Ich konnte es nicht fassen, dass ein Pilot, dem du all dein Vertrauen in die Hände legst, all deine Kontrolle übergibst und der ja dafür ausgebildet war, viele Menschen sicher an ihr Ziel zu bringen, fähig war, sie alle mit in den Tod zu reißen. Das wollte bei mir einfach nicht in den Kopf rein.

Einigen Wochen vor dem Unglück, hatten mein damaliger Freund und ich eine Reise nach Barcelona für Ende Mai geplant. Mir ging es richtig dreckig. Ich konnte nicht schlafen, ich habe ständig gegrübelt, ich habe ständig nach Antworten und dem Warum gesucht. Bis ich kurz vor der Abreise meinen damaligen Freund gebeten hatte, den Flug zu stornieren. Das haben wir dann auch gemacht. Danach ging es mir wieder besser und ich habe mir geschworen, dass ich nie wieder in ein Flugzeug steige. Ich habe die Verdrängungstaktik angewandt und das Thema war für mich abgehakt.

Wer meinen Blog kennt, weiß dass es hier nicht vorbei sein kann, denn im selben Jahr bin ich 18.000 Kilometer nach Neuseeland geflogen. Diese Wendung entstand durch die Entscheidung eine Auszeit von allem zu nehmen, dass hatte ich hier schon mal beschrieben.

Flugnangst – wie ich damit umgegangen bin

Plötzlich war die Verdrängungstaktik keine Option mehr für mich – ich wollte nach Neuseeland.
Dieser Gedanke "du musst wieder fliegen" hatte sich aber auch erst entwickelt. Zunächst habe ich mir nämlich überlegt, ob ich über den Landweg nach Neuseeland komme. Ich hatte mir die Strecke von Moskau nach Vladiwostok gedanklich ausgemalt. Somit wäre ich schon mal weiter im Osten. Nun müsse ich nur noch in den Süden kommen – vielleicht über den Seeweg?
Schnell realisierte ich, dass das keine wirklich gute Option war. Es würde sehr teuer werden, sehr lange dauern und sau viel Planung in Anspruch nehmen. Sicherlich käme ich am Ende auch nicht wirklich drum rum, eine kleinere Stecke zu fliegen. Das Totschlag Argument war aber letzen Endes wirklich das Geld. Das hatte ich einfach nicht.

Flugangst Seminar um die Flugangst zu überwinden

Nachdem die Option mit Land- und Seeweg gestorben war, hatte ich mir überlegt an einem Flugangst Seminar teilzunehmen. Die Lufthansa bietet das beispielsweise an. Ich habe mir durchgelesen, was in so einem Seminar alles behandelt werden würde. Gefallen hat mir daran, dass man nach der Theorie eine Stunde über Deutschland fliegt, in Begleitung einer Psychologin / eines Psychologen.
Das Problem an dem Flugangst Seminar war aber, dass hier eher technischen Punkte behandelt werden – wie funktioniert die Maschine, was passiert beim Starten und Landen, welche Geräusche nehmen wir wahr usw. Die Antwort, warum ein Pilot mehrere 100 Menschen mit in Tod reißt, wäre dennoch unbeantwortet gewesen. Daher entschied ich mich dagegen.

Therapie zur Flugangst

Die Antwort auf die Frage "Warum macht ein Pilot das?", konnte mir beim Besten Willen niemand geben. Ich fühlte mich alleine mit dieser Frage. Von Freunden und Verwandten hörte ich eher "Daran darfst du nicht denken. Das ist passiert. Das ist jetzt so. Das wird so schnell nicht wieder passieren." Wird es nicht? Wer gibt mir denn die Sicherheit? Was wenn dadurch noch mehr Piloten angestiftet werden – sich quasi ein Vorbild an dem nehmen? Ich merkte, dass sich diese Fragen so fest in mir verankerten, irrational durch mein Gehirn schlichen und zu meinem großen Problem wurden.

Ich entschied mich, eine Therapie zu machen. Jedoch keine spezielle Flugangst Therapie, sondern zunächst eine kognitive Verhaltenstherapie. Das wird unter Umständen von der Kasse bezahlt. Zudem kannte ich die Vorgehensweise bereits aus einer anderen Therapie – wie gesagt, ich hatte zu der Zeit vor so vielem Angst und merkte, dass die Flugangst nur ein Teil einer großen Angst war.
Ruckzuck hatte ich in München einen Platz in einem Psychotherapie-Zentrum mit einer jungen Therapeutin, die ihre Zusatzausbildung zur staatlich anerkannten "Psychologischen Psychotherapeutin" machte.
Bei einer Therapie ist es wichtig, dass die Therapeutin / der Therapeut zu einem passt und man sich die Behandlung durch sie / ihn vorstellen kann. Das war bei ihr Gott sei Dank der Fall!

Inhalte der Therapie waren eben sich das eigene Verhalten in einem bestimmten Angst Szenario kognitiv vorzustellen und Gedanken zu verändern. Ich möchte hier nicht zu tief einsteigen, da ich keine Therapeutin bin.

Was ich sagen kann, schon nach 2 Wochen, ging es mir besser. Ich entwickelte mit meiner Therapeutin eine Art Masterplan für meinen Kopf. Alle meine Fragen, die ich im Kopf hatte, nahmen wir uns vor – analysierten die Ursache, entwickelten Gegengedanken, nahmen hierfür Statistiken und Fakten zur Hilfe, entwickelten Szenarien um mögliche Situationen zu durchspielen uvm.  Am meisten hat es mir geholfen, zu lernen meine Fragen zu Ende zu denken. Was passiert wenn…? Das ist nämlich oft der Knack-Punkt. Sicher ist, niemand kann dir eine Antwort auf deine Angst-Fragen geben, außer du dir selbst. Du kannst dir ein Szenario erschaffen, dass deine Angst-Frage bis zum Schluss mit allen Wahrscheinlichkeiten durchgeht. Du stellst dich der Angst, statt sie zu verdrängen. Angst ist irrational und du musst einen Weg finden, wieder die rationale Ebene zu erreichen. Eine Therapie ist dabei ein Wegbegleiter, der Therapeut / die Therapeutin ist eine Art Coach, der dich begleitet aber dir niemals Gedanken vorlegt. Das machst du selber und das ist das Wichtigste daran.

Ok, dass geht jetzt zu tief rein. Fakt ist, es hat mir sehr geholfen. Ich war mit neuen Gedanken gerüstet, die sich gegen meine negativen Angst-Gedanken stellten. Noch heute. Jeden Tag hatte ich mir die Gedanken und Szenarien meiner Angst hervorgerufen. Bis zum Tag des Abfluges. Ich habe mir erlaubt, an diesem Tag nicht groß nachzudenken, sondern einfach zu machen. Denn gedacht, hatte ich in den letzten Wochen genug. Jetzt ist es Zeit zu entspannen und diesen verdammten Flieger zu steigen.

Flugangst – der Tag des Fluges

Im Flugzeug selber habe ich mich zunächst umgeschaut. Ich habe die Umgebung des Flugzeuges in mich aufgesaugt und mich mit allem Vertraut gemacht. Ich habe mir die Stewardessen angeschaut, habe in ihre freundlichen und ebenfalls entspannten Gesichter geschaut und innerlich immer zu mir gesagt, alles wird gut, du fliegst nach Neuseeland!

Flugangst - Neuseeland von oben

Der Flug war, wie für die zu erwarten, die keine Flugangst haben, sehr entspannt. Von meiner Ärztin habe ich noch Beruhigungstabletten auf pflanzlicher Basis gekommen.
Von Tavor hatte ich vorher gelesen. Jedoch riet mir meine Therapeutin ab, da es lediglich die Angst für eine Zeit unterdrückt aber nicht bekämpft. Auch von Alkohol – Tage davor und am selben Tag, wurde mir abgeraten. Nichts habe ich gebraucht, auch nicht die Beruhigungstabletten. Ich bekam keine Panik.
Bei Turbulenzen hatte ich ab und an Muffensausen, doch dies wurde mit dem Fakt-Gedanken "es ist noch kein Flugzeug durch Turbulenzen abgestürzt" und einem Klopfen auf Holz, zu Nichte gemacht.

Auf diesem Flug (es waren drei Anschlussflüge) hatte ich auch immer wieder die Flughöhe auf dem Display verfolgt.
Denn der Angst-Gedanke gegen einen Berg zu fliegen, war nach dem Germanwings-Absturz immer wieder präsent. Heute mache ich das kaum mehr.

Auch die Zwei-Personen Regel half mir zu dieser Zeit. Der Gedanken, es sitzen immer zwei Leute im Cockpit, beruhigte mich. Vor einigen Tagen erfuhr ich, dass dies in Deutschland wieder aufgehoben wurde. Ein kurzer Schockmoment durchfuhr mich, lies mein Gedankengerüst durchzittern, denn das war mein Fakt-Gedanke Nummer 1 bei meiner Flugangst. Sofort kamen andere Gegengedanken zur Hilfe, um das Gerüst nicht zu Fall zu bringen.

Flugangst – Wie gehe ich heute damit um

Gerade jetzt sitze ich in Dubai, 6 Flugstunden von zu Hause entfernt und schreibe diesen Artikel.
Wenn ich heute in ein Flugzeug steige, dann wirklich nur in eines, einer mir vertrauten Airline, die in der Flug-Statistik die beste Bewertung hat. Airlines, die in der Vergangenheit hohe Zwischenfälle hatten, meide ich. Da habe ich bisher noch eine große Auswahl. Falls sich das mal ändert, denke ich darüber nach, wenn es soweit ist aber nicht jetzt. Das hilft mir nicht.

Zu dem Thema sichere Airline, helfen mir Gedanken wie: "Fliegen ist heutzutage das sicherste Verkehrsmittel". Es könnte mir selbst dann was passieren, wenn ich zu Hause vor dem Fernseher sitze. Das ganze Leben ist unsicher, mich also davor zu verstecken, ist keine Option. ich will Leben so lange ich das noch kann! Dazu gehört für mich an erster Stelle das Reisen – es ist mein Lebenselixier. Um mir das zu erfüllen, muss ich fliegen.

Heute bin ich wieder entspannt und freue mich sogar ein wenig auf den Flug, wenn es sich um eine große Maschine handelt. Ich fliege nicht gern mit kleinen Maschinen aber dennoch bedeuten diese, dass der Flug nicht all zu lange dauert. Im Flieger selber lese ich viel oder schaue mir Filme an. Ich denke nicht viel nach, sobald ich den Flughafen betrete, sondern mache einfach und beobachte die Leute. Beim Starten und Landen schaue ich aus dem Fenster, denn dann möchte ich sehen, was passiert.
Aber ich lasse kaum Angst-Gedanken aufkeimen sondern konzentriere mich auf rationale Sachen oder Sachen die mir Freude bereiten. Bei den großen A380 Fliegern von Emirates beispielsweise, sind die Kabinendecken mit einem LED Sternenhimmel ausgestattet. Wenn es dunkel ist, schau ich oft darauf und denke an Neuseeland, wo der Sternenhimmel einfach atemberaubend schön und hell ist.

Wenn dich auch die Flugangst plagt, dann hoffe ich, dass ich dir mit diesem Artikel helfen konnte. Es ist möglich damit umzugehen. Das hätte ich damals auch nicht für möglich gehalten, heute weiß ich es.
Ich wünsche dir ganz viel Erfolg, dass du deine Flugangst unter Kontrolle bekommst. Denn die Welt ist zu schön um sie sich nur wegen der Angst entgehen zu lassen!

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