WWOOFing – Leben und Arbeiten auf Biobauernhöfen weltweit

wwoofing neuseeland

Um sieben Uhr morgens klingelt der Wecker. Und ich muss aufs Klo. Verdammt, denke ich mir, die Toilette ist übern Hügel und es regnet draußen. Doch gleich darauf höre ich ein energisches „Mähhhhhhh!“ Eva! Das kleine frescheste aber zugleich zutraulichste Schaf, dass ich jemals kennenlernen durften. Bis 2 Woche zuvor auch das einzige Schaf, das ich kannte 😉 Sie ruft nach ihrer Milch! Meine Laune steigt!

wwoofing - schafe

Ich bin auf einer Farm – einer Macadamia Nut Farm mit Schafen. Die Toilette unseres kleinen Bungalows befindet sich ca. 30 Treppen-Stufen entfernt auf einem kleinen Hügel. Richtig angekotzt hat mich das aber nie, auch wenn ich Nachts häufig auf Klo muss. „Uns“ das bin ich und noch zwei weitere junge WWOOfer. Wir verstehen uns sehr gut.WWOOFing - das Klo
Das Leben auf dieser Farm folgt seinen eigenen Regeln und der eigenen Uhr. Es gibt viel zu tun aber es ist auch sehr entspannt und vor allem mal sehr schön, nicht immer und überall Internetanschluss zu haben.
Die beiden neuseeländischen Hosts Sue und John sind super nett, haben immer ein offenes Ohr und wir können uns auf ihrer Farm frei bewegen. Und diese Farm ist nicht gerade klein! 🙂

Nein, dies ist kein Auszug aus einem Buch. Es beschreibt einen Teil des Lebens auf der Farm, auf der ich vor etwa 1,5 Jahren 2 Wochen lang gearbeitet hatte.

Wie ich dazu gekommen bin? Über die neuseeländische WWOOFing Plattform. WOOFFEN ist ein super Möglichkeit Land und Leute besser kennenzulernen. Zudem macht es super viel Spaß und man lernt fürs ganze Leben!
Die Erfahrungen die ich beim WWOOFen in Neuseeland gesammelt habe, möchte ich in diesem Beitrag gern mit dir teilen.

WWOOF – was ist das jetzt nochmal genau?

In diesem Beitrag hatte ich das Thema WWOOFing bereits schon mal erwähnt. WWOOFing steht für Worldwide Opertunities on Organic Farms und meint im weitesten Sinne den Austausch von Arbeit und Erfahrungen auf Biobauernhöfen. Die Idee dahinter ist, Menschen zusammenzuführen, die einen naturbelassenen Lebensstil haben. Im Austausch für ihre freiwillige Arbeit bekommen die WWOOFer eben kein Geld sondern die Gastfreundschaft der Landwirte.

„Wir möchten dem Land, welches wir bereisen etwas zurückgeben” (Motto der WWOOFer)

1971 hatte eine Londoner Sekretärin namens Sue Coppard die WWOOFing Organisation aus eigenen Interesse heraus gegründet. Sie hatte den Wunsch, als Städterin zumindest zeitweise am Leben auf dem Land teilhaben zu können. So organisierte sie ein Freiwilligen-Wochenende am Emerson College in Sussex, einer Landbau-Schule in England. Sie benannte ihre Organstation zunächst „Working Weekends on Organic Farms“ (WWOOF), welches freiwilligen Helfern ermöglichte, ihr Wochenende auf Bio-Bauernhöfen zu verbringen und dort neben der Unterkunft auch Verpflegung zu bekommen. Dieser Organisation schlossen sich immer mehr Bauernhöfe an und so wurde aus den Wochenenden immer längere Hof-Aufenthalte.
Schnell verbreitete sich diese Idee auf der ganzen Welt. Im Jahre 2015 gab es schon in über 60 Ländern eingetragene WWOOF-Organisationen. Hinzu kamen unabhängige Höfe in weiteren Ländern, die in einer WWOOF-Independents-Liste organisiert sind. Auch Deutschland schloss sich der Organisation an und verzeichnet über 400 Bauernhöfe innerhalb des Vereins.

Einiges vorab – wie funktioniert WWOOFen?

Zunächst sei gesagt, für WWOOFing brauchst du kein Work and Travel Visum, da du nicht auf monetärer Basis arbeitest. Du benötigst jedoch ein Visum, je nachdem in welchem Land du bist. Informiere dich vorher bei der entsprechen WWOOFing Organisation des Landes.

„Wir möchten das die Welt zu uns nach Hause kommt“ (Motto der Landwirte)

Da beim WWOOFen wirklich der Austausch im Vordergrund steht und die Vereine eben nicht möchten, dass es zu falschen Zweck missbraucht wird, muss man ein richtiges WWOOFing Profil anlegen und einen kleinen Jahres-Mitgliedsbeitrag bezahlen. Jede WWOOFing Organisation hat pro Land ihre eigene Plattform auf der man sich anmeldet.

Auch das Alter ist nicht unbedingt beschränkt. Das Mindestalter ist 18 Jahre. In Irland und Portugal kannst du schon im Alter von 17 Jahren WWOOFen. Auch hintenraus, ist nicht unbedingt eine Altersbeschränkung vorgeben. Jedoch bevorzugen viele Hosts junge und arbeitsfähige WWOOFer.

Solltest du mit deiner Familie unterwegs sein, so kann es je nach Absprache mit dem Host möglich sein, dass du deine Kinder mit auf die Farm bringen kannst.

Wie melde ich mich an und richte ich mein Profil ein?

Wer Interesse hat, in Neuseeland zu WWOOFen, kann sich hier anmelden.
Alle weiteren Links findet ihr ganz leicht über die Google Suche oder hier auf der internationalen WWOOFing Plattform.

Sobald du angemeldet bist, kannst du dein Profil anlegen.
Pflege dein Profil gewissenhaft und möglichst vollständig ein.

Schreibe einen kleinen Text (etwa eine halbe Seite) über dich und erzähle etwas von dir. Teile den Lesern deines Profils mit, wie alt du bist, wo du her kommst, was du gerne so machst, was du gut kannst, warum du in dem Land bist, warum du gerne WWOOFen möchtest usw. Schreibe auch was du vom Austausch mit den Hosts erwartest. Beispielweise, wenn du dein Englisch aufbessern möchtest oder eine bestimmte Tätigkeit lernen möchtest.

Lade ein paar Fotos von dir hoch, damit die Hosts sich schon vorher ein kleines Bild von dir machen können.

In den Details kannst du dann noch etwas konkreter werden. Gebe z.B. auch an, wenn du eine bestimmte Nahrungsmittelunverträglichkeit hast und bestimmte Ernährungsgewohnheiten wie Vegetarismus oder Veganismus verfolgst. So können sich die Hosts darauf einstellen, falls sie für dich das Essen mit zubereiten.

Im Bereich „Skills Offered“ gibst du deine Erfahrungen (skills) an. Auch wenn du noch nie auf einer Farm gearbeitet hast, so gibt es einige Tätigkeiten die du bestimmt schon mal ausgeführt hast. Beispielsweise Gartenarbeit (gardening), Blumen anpflanzen und Garten gestalten (landscaping), Reparaturarbeiten im oder am Haus. Wer seinen Eltern oder Großeltern ab und an im Haushalt geholfen hat, der hat sicher einiges vorzuweisen.

Skill Set WWOOFing

Gebe auch an, wann du verfügbar sein wirst. Denn Hosts suchen auch nach dir. Wenn ihnen dein Profil gefällt, schreiben sie dich an und fragen ob du Interesse an einem Aufenthalt auf ihrer Farm hast.

Verfügbarkeitsübersicht der Hosts WWOOFingfing

Bezüglich der Versicherung, musst du dich als Backpacker natürlich immer selbst versichern. Das gilt auch auf der Farm beim WWOOFen.

Tipps zum erfolgreichen WWOOFen – was ist zu beachten?

Damit das WWOOFen erfolgreich wird und du schnell an einen guten Platz auf der Farm kommst, haben ich hier einige Tipps für dich:

  • Erstelle ein umfangreiches und gut gepflegtes Profil mit allen notwendigen Informationen über dich!
  • Wenn du an einem WWOOFing Platz interessiert bist, dann suche rechtzeitig danach, da es schon einige Zeit dauern kann, bist du das richtige findest. Viele gute WWOOFing Farmen sind weit im Voraus verplant. Viele Hosts geben auch auch selbst ihre Verfügbarkeit im Kalender an.
  • Schreibe eine nette aber nicht all zu förmliche Anfrage. Erzähle hier nochmals von dir, wie alt du bist, wo du her kommst und was dich in dieses Land verschlagen hat. Schreibe auch, was die Hosts von dir erwarten können (Zuverlässigkeit, Ehrgeiz, etc.) und was du ihnen noch anbieten kannst (Kochen, Geschichten erzählen, ein Instrument spielen etc.). Versuche das Interesse der Hosts zu wecken, denn manche bekommen mehrere Anfragen pro Tag und werden anhand der ersten Sympathie entscheiden.
  • Vereinbaren mit deinen Hosts im Vorhinein was die Bedingungen sind: wie viel Stunden am Tag gearbeitet wird, wann du frei haben wirst, wie lange der Aufenthalt sein sollte (da sie auch planen wollen), was im Aufenthalt enthalten, ob es Transportmöglichkeit zur Farm und wieder zurück gibt usw.
  • Nehme dir immer etwas Bargeld für dich mit, da die Farm kein Hotel ist und nicht alles für dich bezahlt wird (Körperpflegeprodukte Artikel, Ausflüge, etc.)
  • Hole dir genug Informationen zu deinem Host ein und überprüfe gegebenenfalls die Seriosität. In Neuseeland wirst du selten (kann aber auch!) an Hosts kommen, die falsche Absichten haben. In anderen Ländern hab ich schon andere Geschichten gehört. Vorsicht ist also besser als Nachsicht!

Bevor du richtig anfängst zu WWOOFen, lese dir auf der entsprechenden WWOOFing Seite alle Bedingen durch. Wenn du Fragen dazu hast, du etwas nicht versteht oder dir irgendwas unklar ist, scheu dich nicht, mich zu fragen. Das kannst du hier in den Kommentaren machen oder per Nachricht auf meiner Facebook Seite.

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